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Magdeburger des Jahres:

Für ihre Hospizarbeit wurde Sabine Paqué auf Platz drei gewählt

Magdeburg - Bei der Umfrage zum "Magdeburger des Jahres 2002" wählten die Volksstimme-Leser Sabine Paqué für ihr ehrenamtliches Engagement beim Aufbau eines Hospizkreises für Magdeburg auf den 3 Platz -Die Laudatio zur Preisverleihung am Dienstagabend hielt Volksstimme-Redakteur Peter Ließmann. Nachfolgend veröffentlichen wir diese Rede im Wortlaut.

 

"Ich wollte mich nützlich machen." Sabine Paqué ist eine Ehrenamtliche aus tiefster Überzeugung. Jeder, der kann, sollte sich für die Allgemeinheit engagieren. Und sie tut es.

 

Dafür hat sich Sabine Paqué unter anderem zwei Bereiche ausgesucht.

 

Zum einen die Kunst.

In ihrer alten Heimat Kiel, die sie vor rund sechs Jahren mit ihrem Mann verlassen hat, war Sabine Paqué als Verlegerin tätig und hat beispielsweise Bücher über die Kulturszenen deutscher Städte geschrieben. In Magdeburg angekommen, hat sie sich ins Kloster "Unser Lieben Frauen" verliebt. Sie gründet einen Kloster-Freundeskreis. Der Dom und das Kulturhistorische Museum werfen zu große kulturelle Schatten über das Kloster, findet Sabine Paqué. Der Freundeskreis soll helfen, "Unser Lieben Frauen" aus diesem Schattendasein herauszuheben.

 

Eine wichtige Aufgabe, fürwahr, aber nicht die, warum die meisten Volksstimme-Leserinnen und Leser Sabine Paqué ihre Stimme zur Wahl zum Magdeburger des Jahres gegeben haben. Das zweite Ehrenamt der Frau, die von sich sagt, sie gestalte gern Dinge mit, liegt auf einem ganz anderen Feld.

 

Es geht ums Sterben.

Unsere Fun- und Erfolgsgesellschaft hat vor allem vor einem Angst: vor dem Tod. Das unausweichliche Ende eines jeden Menschen, nämlich, dass er irgendwann einmal sterben muss, wird darum gern ausgeblendet. Was wiederum dazu führt, dass besonders alte Menschen in den letzten Stunden ihres Lebens oft alleingelasen sind.

 

Bereits in Kiel hat Sabine Paqué einen Hospizkreis gegründet. Hospiz steht für Sterbebegleitung. Ein Fernsehbericht gab dafür den Ausschlag. Sie überlegte, was sie sich wünschen würde, wenn der Tod sich bei ihr meldet. Und beantwortet sich diese Frage mit einem persönlichen Auftrag: Dann tu auch etwas dafür.

 

Aus Kiel bringt Sabine Paqué die Hospiz-Idee mit nach Magdeburg. Sie findet Mitstreiter und gründet 1999 den Magdeburger Hospizkreis.

 

Menschen in ihren letzten Tagen und Stunden zu begleiten, ihnen in der Zeit vor ihrem Tod vielleicht ein Stück Angst zu nehmen, ihnen Wärme und Geborgenheit zu geben, ist eine schwierige Aufgabe. Und dazu gehört auch, Angehörigen von Sterbenden dabei zu helfen, mit der für sie schmerzlichen Situation ein bisschen besser fertig zu werden. Was sind das für starke Menschen, die sich so einer Aufgabe stellen - und das auch noch freiwillig?

 

"Wir sind keine personifizierten Edelmenschen", relativiert Sabine Paqué solche Fragen zur Hospizarbeit. "Wir sind Laien, die etwas tun wollen." Und gerade dieses Laienhafte sei das größte Talent der Hospizbewegung.

 

Hospizmitarbeiter können unvoreingenommen und vorurteilsfrei in die Sterbesituation eines Menschen eintreten. Sie können sich dem Menschen widmen, ohne durch irgendwelche Vorgeschichten belastet zu sein. Und genau dadurch können Hospizmitarbeiter dem Sterbenden das geben, was er braucht: Zuspruch und Anteilnahme und das Gefühl, nicht allein zu sein.

 

Die Hospizmitarbeiter bekommen aber auch etwas zurück. Sabine Paqué sagt von sich, sie habe, seit sie sich um sterbende Menschen kümmert, eine etwas andere Sicht auf die Dinge des Lebens bekommen. Für sie ist nicht mehr unbedingt das Spektakuläre wichtig, sondern die kleinen und vor allem zwischenmenschlichen Erscheinungen des Lebens. Die Alltagshelden sind es, die Sabine Paqués Aufmerksamkeit erregen.

 

Die Hospizarbeit steht in Magdeburg dank des Engagements von Sabine Paqué und ihrer Mitstreiter auf festen Säulen. Es hat sich herumgesprochen, dass es dieses Angebot gibt. Demnächst wird es sogar bei den Pfeifferschen Stiftungen ein Hospiz geben, in dem auch die Mitarbeiter des Hospizkreises ein fester Bestandteil der Betreuung sterbender Menschen sein werden.

 

An dieser Stelle muss noch einmal das eigentliche Anliegen von Sabine Paqué in den Blickpunkt gerückt werden: das Ehrenamt.

 

Die Menschen sollten nicht alles der Politik und der Verwaltung überlassen. Sie sollten selbst Dinge in die Hand nehmen, nach Mitstreitern suchen, sich für ihre Umwelt und ihre Mitmenschen einsetzen. Und das ohne Eigennutz und ohne eine "persönliche Nabelschau".

 

Das Ehrenamt selbst aber müsse auch mehr gefördert und anerkannt werden. Dabei denkt Sabine Paqué nicht an Medaillen und Dankesurkunden, schon gar nicht an Geld. Sie denkt da viel pragmatischer. Vielleicht mal ein "Verwöhntag" oder ein schöner Ausflug. Das motiviere viel mehr, als eine Einladung zum Ministerpräsidenten - was natürlich auch ganz nett sein könne.

 

Hier sei ein kleiner Einschub erlaubt: Sabine Paqué ist natürlich auch Ehefrau des Finanzministers von Sachsen-Anhalt. Ihr ehrenamtliches Engagement hat sie aber lange vor der politischen Karriere ihres Mannes begonnen. Das sei gesagt, um deutlich zu machen, dass sich die Minister-Ehefrau nicht einen "wohltätigen Job" gesucht hat, weil sich das eben für eine Minister-Gattin so gehört. Das Ehrenamt war zuerst da, dann kam irgendwann der "Job" als Ministergattin.

 

"Ich wollte mich nützlich machen". Sabine Paqué hat sich für Magdeburg nützlich gemacht. Sie und ihre Mitstreiter des Hospizkreises haben eine Lücke in der Stadt ausgefüllt, wofür viele Magdeburger dankbar sind. Sie sind, wie viele andere, die sich um Menschen in Not kümmern "Botschafter der Menschlichkeit".

 

Sabine Paqué selbst wundert sich übrigens, dass sie für die Wahl zum Magdeburger des Jahres nominiert wurde. Und vor allem darüber, dass sie von vielen Volksstimme-Lesern auch gewählt wurde. Das sei wie eine Art "Einbürgerung" nach Magdeburg. Darüber freut sich die gebürtige Kielerin besonders. Denn Magdeburg ist für sie und ihren Mann zu einer echten neuen Heimat geworden.

 

Autor: Peter Ließmann

Aus: Magdeburger Volksstimme vom 24.01.2003




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